Text-Andacht

  1. September, Michaelis

Liebe Geschwister, am 29. September ist in jedem Jahr der Michaelis-Tag, der Tag des Erzengels Michael und aller Engel. In unserer Kirche wird er selten gefeiert und hat seine fast wichtigste Bedeutung dadurch, dass der Sonntag nach Michaelis der Erntedanksonntag ist. Als ich studiert habe, in den 80er Jahren nicht nur des letzten Jahrhunderts, sondern tatsächlich des letzten Jahrtausends (Das klingt jetzt wirklich sehr alt!), da hat sich die evangelische Theologie sehr auffällig um die Auseinandersetzung mit dem Thema „Engel“ gedrückt. Dabei ist ihre Beliebtheit bei den Menschen ungebrochen, jedes Jahr zu Weihnachten sind sie das beliebteste Dekorationsstück. Und der Bezug ist so direkt, dass selbst die Werbung darauf zurückgreift, Sie erinnern sich vielleicht an die Fernsehwerbung einer Versicherung, die lange lief und in der immer im richtigen Moment ein Engel auftauchte und Gefahren aus dem Weg räumte. Wäre das schön, wenn es so einfach wäre. Dabei hat dieses Bild tatsächlich seinen Ursprung in der Bibel. Es geht zurück auf eine Geschichte aus dem 4. Buch Mose (4. Mo. 22, der Predigttext an Michaelis), in der der Erzengel genau so handelt. Für alle, die den Glaubensdingen eh skeptisch gegenüber stehen, kommt das natürlich wie gerufen, um endgültig zu sagen: Alles Quatsch!

Doch mit ein bisschen Sinn für Geschichten, die wie in Fabeln oder Märchen einem etwas über das Leben sagen wollen, ist diese Geschichte nicht nur sehr unterhaltsam, sondern schlau. Und auch solche Geschichten lieben wir Menschen bis heute, ob es nun klassische Märchen sind oder neue Phantasy-Geschichten wie der „Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“. Immer geht es um den Kampf zwischen Gut und Böse, immer ringen gute und böse Mächte um die Herrschaft. Und immer hoffen Menschen darauf, dass es Mächte, Wesen, Gestalten gibt, die auf ihrer Seite kämpfen, am liebsten für das Gute.

Und so eine Geschichte spielt sich hier ab. Das Volk Israel muss sich immer wieder auf seinem Weg in das gelobte Land mit den Völkern auseinandersetzen, die dort leben und gar nicht begeistert sind. Und hier tun sich einige dieser Völker zusammen und nötigen den Propheten Bileam, dass er zu den Israeliten geht und sie verflucht. Der will eigentlich nicht, lässt sich dann doch überreden und macht sich auf den Weg. Und ihm stellt sich der Erzengel mit gezücktem Schwert in den Weg. Nur – , der sieht das nicht. Die Eselin, auf der er reitet, die bemerkt das und bockt und will nicht weiter. Bileam schlägt sie drei Mal, so dass die Eselin schließlich zu ihm spricht und sich beschwert. Und da öffnet der HERR Bileam die Augen, er sieht den Engel und die Geschichte nimmt ihren Lauf und geht am Ende gut für Israel aus.

Bemerkenswert: Niemand wundert sich, dass die Eselin sprechen kann, wie in den Märchen, da können die Tiere auch reden.

Und ganz modern: es wird betont, dass es eine Eselin ist, das Tier wird sozusagen gegendert.

Und es ist die Eselin, die so schlau ist zu erkennen, dass etwas nicht stimmt, der Mensch, der Mann, nicht. Menschliche Weisheit gerät wohl öfter schnell an ihre Grenzen. Und alle Frauen sagen natürlich sofort, männliche Weisheit.

Und da, wo menschliche Dummheit auf dem Weg ist, den Willen Gottes für diese Welt zu stören, sollte uns Michael sinnbildlich im Wege stehen und uns ausbremsen. Und er macht das alleine schon durch seinen Namen. Denn Michael heißt übersetzt: „Wer ist wie Gott?“ .

Also: Wer von uns will so größenwahnsinnig sein und für sich in Anspruch nehmen, es besser zu wissen als Gott? Wer von uns ist dabei so blind wie Bileam, der in seinem Wahn nicht einmal die Vernunft der Eselin hat und nicht respektiert, wo seine Grenze ist? Wer von uns ist so hochmütig, auf die vor ihm stehende Frage „Wer ist wie Gott?“ zu antworten: Ich!?

Wie gesagt, wir können diese alten Mythen einfach für Quatsch halten. Wir können sie auch nur unterhaltsam finden. Sie können uns aber auch viel über das Leben sagen. Mit den besten Wünschen für Sie und ihren Schutzengel, 

Jörg Wolke.

PS.: Vergessen Sie nicht, am 29. September allen Michaelas und Michaels, die Sie kennen, zum Namenstag zu gratulieren!

Kontakt

ERLÖSERKIRCHE HÖHENBERG VINGST
Burg-/Schulstraße
51103 Köln
Pfarrer: Jörg Wolke
Telefon: 0221 – 872757
E-Mail: joerg.wolke@ekir.de

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