Text-Andacht

„Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt, um die Erde zu richten.“ (1. Chronik 16,33,  Monatsspruch August)

Liebe Menschen unserer Kirchengemeinde, als ich diesen Spruch gelesen habe, bekam ich eigenartige Gedanken. Es war wie ein Blitz, der durch meinen Kopf ging, dass wir jetzt endgültig soweit sind, dass die Bäume und mit ihnen die gesamte Natur in großen Jubel ausbricht, wenn Gott kommt und endlich mit uns Menschen abrechnet für alles, was wir dem gesamten Planeten angetan haben und antun. Wir waren im Lockdown so überrascht, wie ruhig es ohne Fluglärm nachts in unseren Stadtteilen sein kann, wir sahen überrascht auf die Bilder aus dem All, wie schnell sich die Atmosphäre erholte und für einen kleinen Moment dachten wir, Fliegen ist vielleicht gar nicht so wichtig, Hauptsache wir können uns wieder mit den Menschen treffen, die uns wichtig sind. Und jetzt regen wir uns auf, wenn wir lange an den Flughäfen rumstehen und dann doch den Flieger verpassen oder er einfach gestrichen wurde. Fliegen ist wohl doch wichtiger. Und im Februar, mitten in der Heizperiode,  wurde noch wild diskutiert, ob wir nicht aus Solidarität mit der Ukraine auf die Öl- und Gaslieferungen aus Russland verzichten müssen. Und jetzt im Hochsommer packt uns die blanke Angst, Russland könnte tatsächlich die Gaslieferungen einstellen. Und bei 2,20€ für den Liter Sprit an der Tankstelle hörte alle Solidarität auf und der Staat musste handeln. Dabei sagt uns jede Klimakonferenz, dass wir sofort und ganz drastisch unser Konsumverhalten ändern müssen, wenn wir überhaupt noch irgend eine Chance haben wollen, die Erderwärmung zu bremsen. Und die Hitzewellen mit Waldbränden und Wasserrationierungen wegen Trockenheit erinnern uns eigentlich täglich daran, dass es keine Zeit mehr gibt zu diskutieren. Aber wie sollen wir im Großen entschlossen handeln, wenn wir schon im Kleinen scheitern. Ein Gang durch die Lustheiderstr., ein aufmerksamer Blick ins Gebüsch und ich frage mich, was uns Menschen reitet. Der Matthias-Kann-Pfad ist ständig vermüllt, der Dreck liegt neben, unter, auf den Sitzbänken, die Abfalleimer sind eine Armlänge weiter. Am Höhenberger Ring wird regelmäßig Sperrmüll und Bauschutt entsorgt. Und vor der Ampel habe ich vor kurzem wieder gesehen: Autotür auf, Aschenbecher auf die Straße entleert, Tür zu, weiterfahren. Es gibt kein anderes Lebewesen auf unserer Erde, das so systematisch und sehenden Auges seine eigene Lebenswelt zerstört. Deshalb verbietet es sich, Menschen, die so mit unserer Welt umgehen, als Schweine zu bezeichnen. Es ist eine Beleidigung für jedes Schwein, denn die tun das nicht.

„Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt, die Erde zu richten.“

Dabei hätten wir eine Chance. Anfang Juli hieß es in einem Predigttext aus dem Propheten Hesekiel: „Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der Herr, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?“ (Hes. 18,23) Wir sind so stolz auf unseren Verstand, Gott sagt uns seit Jahrtausenden, dass wir ihn auch benutzen sollen. Und es geht ihm nicht um Moral, nicht um Gutmenschen, sondern um unser Leben. Und wem das alles zu fromm ist, dem ist vielleicht der Weisheitsspruch der Cree näher: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ Diese Erde braucht den Menschen nicht. Ja, so wie er sich seit langem verhält, ginge es ihr ohne den Menschen wahrscheinlich besser. Aber wir Menschen können nicht ohne die Erde leben. Die klugen Sprüche gibt es schon lange, in der Bibel und außerhalb der Bibel. Es wird Zeit, dass wir danach handeln, entweder weil wir glauben, oder weil wir klug sind. Und im Idealfall aus beiden Gründen.

 

Ihr Jörg Wolke.

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