Text-Andacht

Andacht zum Thema: Mach dein Ding

Liebe Leser*innen,

„Wer ständig auf den Wind achtet, wird nie säen, und wer stets auf die Wolken sieht, wird nie ernten. Wie du den Weg des Windes nicht kennst, ebenso wenig wie das Kind im Bauch der Schwangeren, so kennst du auch die Werke Gottes nicht, durch die Gott alles schafft. Am Morgen säe dein Saatgut aus, und bis zum Abend lass deine Hand nicht ruhen, denn du weißt nicht, was Erfolg bringt – ob dieses, jenes, oder beides gut gedeiht“. So schreibt es der Prediger Kohelet. (Koh 11, 4-6)

Der Prediger erklärt uns die Welt aus seiner Sicht: Wir sollen uns nicht verrückt machen mit dem, was wir unbedingt und am liebsten gleich herbeiwünschen. Es macht seiner Meinung nach keinen Sinn, die Ernte, also die Frucht der eigenen Arbeit herbeizwingen zu wollen.

Wer einen Garten hat, oder auch nur einen Balkon, kennt das Phänomen: Man hat sich eine Tüte Saatgut gekauft, Blumen ausgesät oder Gemüse und nun wartet man Tag für Tag darauf, dass die Saat aufgeht. Manchmal tut sie das aber nicht. Oder über Nacht sind die Schnecken gekommen und haben alles abgefressen. Schade! Man kann aber nicht Tag und Nacht seine Salatpflänzchen bewachen.

Über alle Themen des Lebens in seiner Zeit hat Kohelet nachgedacht und gibt uns den Rat: Macht ruhig und verlässlich euer Ding, aber macht euch nicht verrückt. Was aus eurer Arbeit, eurem Engagement einmal wird, das wisst ihr vorher nicht. Fangt damit an und wartet nicht darauf, dass die Bedingungen ideal sind. Wer immer zögert, verpasst den richtigen Zeitpunkt. Kohelet sagt: Wer ständig auf den Wind achtet, wird nie säen, und wer stets auf die Wolken sieht, wird nie ernten.

Greta Thunberg hat, als sie mit den Schulstreiks angefangen hat, auch nicht gewusst, dass daraus eine weltweite Bewegung wird.

Wir stecken zur Zeit noch in Coronabeschränkungen, aber das muss ja nicht heißen, dass wir wie gelähmt dasitzen und gar nichts mehr machen. Es gibt immer Möglichkeiten, etwas zu tun. Und vielleicht ist Corona auch eine Chance, manche Dinge ganz neu zu bedenken und zu gestalten.

Wie sich etwas entwickelt und was daraus wird, das wissen wir doch meistens erst im Rückblick. Zum Zeitpunkt unseres Tuns können wir noch nicht wissen, ob unsere Idee fruchtet, ob die Bedingungen für Gedeihen und Ernte gut sind. Die Bedingungen sind unverfügbar, denn unser Leben findet ja nicht in einem Gewächshaus statt, wo alles geplant und durchgetaktet ist: Sonne, Wasser, Nährstoffe. Manchmal tragen gerade die Dinge im Leben am meisten Frucht, an die man gar nicht mehr gedacht hat, weil so viel anderes passiert ist.

Sowenig wie ein Kind durch den Bauch der Schwangeren hindurch sehen kann, so unverfügbar sind für uns die Werke Gottes. Wir wissen nicht, welchen Plan er oder sie verfolgt und welche unserer gut vorbereiteten und perfekt geplanten Handlungen letztendlich zu etwas wirklich Gutem führen. Es kommt darauf an, dass wir sie tun. Wie sagt man so schön: das Eine tun, aber das Andere nicht lassen.

Am Morgen säe dein Saatgut aus, und bis zum Abend lass deine Hand nicht ruhen, denn du weißt nicht, was Erfolg bringt – ob dieses, jenes, oder beides gut gedeiht.

Manche Arbeiten müssen eben getan werden, vielleicht ohne echte Begeisterung, aber nützt ja nichts. So wie Hausarbeit: Man ist mit nichts anderem beschäftigt, als den Status Quo immer wieder herzustellen. Muss aber gemacht werden….. Aber nehmen Sie sich auch Zeit für die Arbeiten, die Ihnen Freude bereiten. Manchmal ist die Freude während des Schaffens schon die ganze Belohnung und mehr wird nicht daraus. Aber das wissen wir vorher nicht.

Vertrauen wir also darauf, dass Gott unsere Arbeit segnet, die alltägliche, manchmal langweilige genauso wie die kreative, die uns beflügelt.

Amen

Prädikantin Christine Winterhoff

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