Text-Andacht
Pfingsten – das Fest der gemeinsamen Be-Geist-erung
„Plötzlich kam vom Himmel her ein Rauschen wie von einem starken Wind. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich aufhielten. Dann erschien ihnen etwas wie züngelnde Flammen. Die verteilten sich und ließen sich auf jedem Einzelnen von ihnen nieder. Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt.“ Apostelgeschichte 2,2-4
Liebe Geschwister, bei dieser Beschreibung dessen, was an Pfingsten passiert ist, muss ich immer an die Bilder aus dem FC-Stadion denken, wenn jedes Jahr die Berichte von dem Weihnachtssingen dort in der Zeitung sind. Da sieht man auch Tausende von Menschen, es ist so spät, dass es im Winter immer dunkel ist. Und dann werden die Fotos natürlich gemacht, wenn in den stimmungsvollsten Momenten alle ihre Handys gezückt haben, die Lampe angemacht haben und die Handys hoch halten. Als ich jung war, haben wir das auf Konzerten mit Feuerzeugen gemacht. Da würden heute wahrscheinlich alle Rauchmelder angehen und die Sprenkleranlagen alle Menschen gleichmäßig begießen. Da sind Handys doch mal ein echter Fortschritt. Und die Begeisterung, die für diese Bilder sorgt, muss der damals in Jerusalem sehr ähnlich gewesen sein. Die Menschen, und es waren damals wie heute im Stadion Tausende, sie finden sich alle wieder in einer gemeinsamen Begeisterung, in einem Glücksmoment, der sie zu einer glückseligen Gemeinschaft zusammenwachsen lässt, all diese Menschen, die sich nicht kennen und sonst im Alltag nichts miteinander zu tun haben. Aber in diesem Moment, da sind sie nicht nur ein Haufen von Menschen, sondern eine Gemeinschaft, zusammengewachsen in einer gemeinsamen Sehnsucht nach Frieden, nach Besinnlichkeit, nach einem harmonischen Zusammenleben, nach einem schönen Abend und einer gemütlichen Einstimmung in die Weihnachtszeit. Und das sehr bewusst in dem Wissen, dass das im Alltag meistens ganz anders aussieht. Und genau deshalb macht es sie in diesem Moment so glücklich, genau deshalb möchten sie das in diesem Moment auch sichtbar werden lassen durch das gemeinsame Leuchten, weil ein Mal im Jahr an diesem Ort Frieden ist. Keine Pyro-Technik, keine Ultras verschiedener Vereine, die sofort aufeinander losgingen, wenn nicht die Polizei im Stadion wäre und keine Schmäh-Gesänge gegen gegnerische Spieler oder Fans, sondern einfach nur eine große, glückliche Gemeinschaft. Und auch da ist der Anlass Jesus Christus. Wie vielen von denen, die da sind, dass so bewusst und auch wichtig ist, weiß ich nicht. Aber man muss ja nicht immer gleich rummeckern. Es ist so und das ist schön. Und das war damals in Jerusalem auch schön. Und die Menschen waren so ergriffen von diesem Gefühl, dass mit diesem Jesus Christus, von dem Petrus sprach, dieser große Frieden möglich sein kann, von dem die Menschen immer schon geträumt haben, dass alles Trennende unwichtig wurde. Egal, welche Sprache, egal, welche Hautfarbe, egal, ob reich oder arm, sie alle wollten diesen Frieden und es wurde ihnen darüber ganz heiß an den Ohren. Ich vergleiche das immer mit frisch Verliebten. Da ist einem alles andere auch egal. Und die Hitze steigt einem bis in die Ohren, so dass man schon glauben könnte, man hätte Feuer auf dem Kopf. Jedenfalls glühen sie dann ganz rot. Und da brauchen wir dann auch kein kirchliches Dogma, das uns erklärt, wie sich dieser Geist kirchlich korrekt definieren lässt. Es ist ein überwältigendes Gefühl, ein ganz großer Gedanke, eine Antriebskraft, die alles Störende überwinden kann. Und wer das nicht nachfühlen kann, der war noch nie verliebt. Und dann gibt es immer welche, die sich lustig machen. „Wie der sich zum Deppen macht!“ Das war damals auch so. Und es kann nicht wundern, dass einige, die das Gefühl nicht gepackt hatte, dachten, die seien alle betrunken. Ja, waren sie auch, betrunken vor Glück. Und kann es was Schöneres geben, als ganz ohne Alkohol besoffen vor Glück zu sein? Niemand kann das so gut nachempfinden wie Kölner, die sich so gerne gemeinsam ins Glück singen und schunkeln. Es ist schwer, das auf Kommando herzustellen. Und uns gelingt es heute nicht mehr, mit einer Predigt 3000 Menschen zur Taufe zu motivieren. Aber deswegen müssen wir ja nicht den Glauben daran aufgeben, dass es diese Momente gibt. Deswegen können wir weiter gemeinsam singen, schunkeln und immer wieder jedem einzelnen Menschen in der Taufe versprechen, dass Gott diesen Geist für uns bereit hält. Und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen ein gesegnetes Pfingstfest,
Ihr Jörg Wolke.
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