Unsere Glocken sind da

Wie in unserem Informationsblatt „Terminkalender“ bei Hans-Jochen Schaefer zu lesen und in unserer letzten Gemeindeversammlung zu hören war, gab es in der Vergangenheit viele Vorbereitungen, damit der Tag des Glockengusses wahr werden konnte. Dem Presbyterium und erst recht den vielen Spendern sei herzlichen Dank gesagt.


Alle Fotos: Cornelius Schmitz

Am Freitag, 5. Dez. 2008, standen etliche Gemeindeglieder unserer evangelischen Kirchengemeinde Köln-Neubrück spannungsgeladen an der Gussgrube der Gießerei Petit & Edelbrock in Gescher (Münsterland).

Es wurden für uns drei Glocken gegossen. Eine große Glocke zu 370 kg mit dem Ton b’ und der Aufschrift „Gott ist Liebe“. Eine mittlere Glocke zu 270 kg mit dem Ton c“ und der Aufschrift „Großer Gott, wir loben dich“. Eine kleine Glocke zu 150 kg mit dem Ton es“ und der Aufschrift „Gott loben, das ist unser Amt“.

Es gab handwerkliche Vorbereitungen bei der Glockengießerei. Bei einer Führung wurde uns vor dem Glockengussereignis erklärt, wie die Arbeitgänge bis zur Glockenform (falschen Glocke als Hohlraum) ablaufen. Einer Schablone folgend wird der erste Teil der Glockenform, der „Kern“ aufgebaut. Der Kern wird mit einem Trennmittel bestrichen. Die Schablone wird verändert. Nun ist sie Maß für das Modell der Glocke, der „falschen Glocke“ (als Lehmkörper). Mehrere Lehmschichten werden aufgetragen. Danach wieder Trennmittel. Nun wird auf die falsche Glocke der Mantel aus Lehm aufgetragen. Es wird alles bis 700 °C erhitzt. Später wird der Glockenmantel von der Form abgehoben. Die falsche Glocke wird zerschlagen und der Mantel dann wieder aufgesetzt. Zwischen dem Kern und dem Mantel ist nun die Hohlform für den Guss entstanden.

Unsere Glockenformen (Hohlformen) waren bereits in der Gussgrube vergraben. In der obersten Erdschicht ragten Eingusslöcher und „Windpfeifen“ aus den Glockenformen nach außen. Vom Schmelzofen aus hatte man offene Rinnen gemauert, damit das flüssige Metall, die Glockenspeise, – sie besteht zu 78% aus Kupfer und zu 22% aus Zinn – zu den Gusslöchern der einzelnen Formen gelangen konnte.

Vor dem Guss stellten sich die Geistlichen der anwesenden Gemeinden zusammen – es wurden acht Glocken gegossen – und sprachen Gebete. Danach sangen die Anwesenden den Choral „Großer Gott, wir loben dich“. Für unsere Glocken betete unser Presbyter und Prädikant Hans-Jochen Schaefer.

Dann kam der große Moment. Traditionsgemäß wird freitags pünktlich um 15 Uhr gegossen. Ein Handwerker sprach: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ und stach den Schmelzofen an. Die hell gleißende Glockenspeise von 1100°C ergoss sich in die Rinnen.

Die Glockengießer lenkten das flüssige Metall zu den einzelnen Eingusslöchern der Glockenformen. Auf Anweisung des Meisters wurde das jeweilige Gussloch geöffnet, die Form füllte sich. Brennbare Gase und Luft zischten aus den Windpfeifen heraus und bildeten lodernde Flammen.


Dann waren endlich vorne rechts unsere drei Glocken dran. Das waren denkwürdige Augenblicke. Uns wurde warm. Nicht nur durch die Flammen.

Nachdem unsere Glocken am Freitag, 5. Dezember, gegossen worden waren, wurden sie am Montag, 8. Dez., aus der Glockengrube frei gegraben. Nach weiterer Abkühlzeit wurden am 10. Dez. der Glockenmantel und der Glockenkern entfernt.

Die Glocken wurden gereinigt und poliert. Dann kam der spannende Moment mit der Frage „Hat die Glocke den richtigen Ton?“ Falls nicht, hätte man an der Innenwand etwas abschleifen müssen.

Am 22. Dezember 2008 kamen die 3 Glocken bei uns in Neubrück an. Schnell eilten Gemeindeglieder herbei, um Abladen und Einfahrt der 3 Glocken in unser Gemeindezentrum mit zu erleben. Viele Hände halfen, die Glocken vom Fahrzeug herunter zu holen. Die große Glocke wiegt 370 kg!


Am Heiligen Abend wurde die große Glocke zum ersten Mal im Gottesdienst angeschlagen. Es war eine feierliche Stille, als sie vor dem Vaterunser der versammelten Gemeinde im Gotteshaus ihren kräftigen Klang entfaltete.

Seit einigen Jahren schon plant die Gemeinde, einen Turm mit Glocken zu errichten. Da viele treue Gemeindeglieder besonders reichlich für die Glocken gespendet hatten, konnte der Guss noch im alten Jahr erfolgen.

Im Frühjahr wird die Grundsteinlegung für den Glockenturm (Architekt: Dipl. Ing. Wolfgang Seliger) sein. Er wird neben dem Kirchengebäude am Europaring stehen. Dann werden nach unserer Kirchenordnung die Glocken die Gemeinde zum Gottesdienst rufen.

Wir sind gespannt auf das gemeinsame Geläut mit den Glocken von Sankt Adelheid.

Cornelius Schmitz