Text-Andacht

Keine Zeit zu Resignieren

Sie haben es gehört und gelesen: Große Veränderungen stehen uns bevor. Unser allseits beliebter Pastor Jörg Wolke geht in den Ruhestand und gleichzeitig wird die Regionalisierung vorangetrieben. Können wir uns da noch zuhause fühlen in unserer Gemeinde? Ich meine: Ja, können wir.

Die Menschen um uns herum bleiben ja dieselben, während der Vakanz haben wir für Vertretungen gesorgt und ab Oktober haben wir wieder einen Pfarrer, der am 11. Oktober in der Erlöserkirche eingeführt wird. Gleichzeitig halten wir dann unsere jährliche Gemeindeversammlung ab, zu der Sie alle herzlich eingeladen sind.

Die Zeit schmeckt nach Aufbruch, denke ich. Das meint auch der Autor des Hebräerbriefs[1], wenn er schreibt:

Macht deshalb die müden Hände und die erlahmten Knie wieder stark! Und schafft für eure Füße gerade Pfade. Denn was lahm ist, soll nicht auch noch fehltreten, sondern geheilt werden. Bemüht euch um Frieden mit allen Menschen und auch um Heiligkeit. Ohne sie wird niemand den Herrn sehen. Achtet darauf, dass niemand zurückbleibt und so die Gnade Gottes verliert.

Macht die müden Hände und die erschlafften Knie wieder stark! Das ist ein Rückgriff auf Jesaja. Nicht schlappmachen, nicht aufgeben ist damit gemeint, denn die ersten Gemeinden warteten sehnsüchtig darauf, dass Jesus endlich wiederkommt und als das zu ihren Lebzeiten nicht passierte, zweifelten einige an der christlichen Botschaft.

Ja, müde fühlt man sich manchmal, besonders an diesen heißen Tagen. Keine Energie – alles wird träge. Der Briefschreiber ermuntert zu Neuerungen: „Schafft für eure Füße gerade Pfade“, will sagen: Sorgt dafür, dass alle ihren Lebensweg gut bewältigen können, statt (echte oder bürokratische) Steine in den Weg zu legen. Heute nennt man das Inklusion – da ist noch viel Luft nach oben. Macht möglich, dass wir alle ein lebenswertes Leben haben können. Kümmert euch umeinander, besonders um die, die nicht ohne die Hilfe anderer klarkommen.

Bemüht euch um Frieden mit allen Menschen und auch um Heiligkeit.

Bemüht euch um Frieden – das geht über die eigene Befindlichkeit hinaus, Frieden, der hebräische „Shalom“ ist ein allumfassender Frieden, persönlich, in der Gemeinde und unter den Völkern. Shalom bedeutet auch Unversehrtheit, individuelles Ganzsein, kollektives Wohlergehen. Das ist genau das Gegenteil von Hass, Lügen und Verschwörungstheorien.

Und manchmal, da gehen auch wir den Weg des geringsten Widerstands und wählen das Naheliegende, was kurzfristig hilft. So wie Esau das Linsengericht. So sind wir Menschen eben, belohnen uns gerne selbst. Das ist völlig in Ordnung, solange wir nicht vergessen, auch an die Zukunft zu denken, an die Generationen, die nach uns kommen.

Diese Aufgabe begleitet uns bis heute: Sich wieder und wieder um Frieden zu bemühen, im Kleinen wie im Großen. Angesichts der vielen Kriege in der Welt ist das eine große Heraus­forderung. Zu groß, finden manche. Aber wir in Europa haben die Möglichkeit zu wählen, wer für uns spricht und handelt, diese Wahl haben die Leute im Iran z.B. nicht. Im Privaten sind wir auf jeden Fall handlungsfähig: Wieder miteinander reden ist der erste Schritt zur Versöhnung. Und bemüht euch um Heiligkeit – das ist ein großes Wort, gemeint ist: Bleibt treu im Glauben und haltet euch an die Nächstenliebe. Und bei diesem Bemühen sollen wir/sollen die Briefempfänger darauf achten, dass niemand zurückbleibt und so die Gnade Gottes verliert.

Das verstehe ich als Aufgabe, die Zweifelnden mitzunehmen. Die nicht so genau wissen, was sie glauben sollen und mit der Kirche vielleicht keine Verbindung haben.

Also, keine Zeit zu Resignieren.

Das Leben darf und muss auch mal gefeiert werden, dazu gibt es immer wieder Gelegenheit. Die kleinen Freuden gehören auch dazu. Und jeden Sonntag feiern wir gemeinsam Gottesdienst. Hier können damals wie heute Menschen Gemeinschaft spüren, neue Impulse bekommen und Kraft schöpfen für die kommende Woche. Und an alle diejenigen denken, die keine Lust haben auf altüberkommene Traditionen und die Zeit lieber anders nutzen. Miteinander müssen wir andere Angebote finden, die für die unterschiedlichen Bedürfnisse passen. Alle gehören dazu.

 

Das ist die Gemeinschaft, die sich der Briefschreiber vorgestellt hat. Wenn er heute noch lebte, würden wir ihn zu uns einladen.

 

Ihre Christine Winterhoff

[1] Hebräerbrief Kapitel 12 (12-15 a)

Kontakt

ERLÖSERKIRCHE HÖHENBERG VINGST

Schulstraße 44
51103 Köln
Pfarrer: Ingmar Wienen (ab dem 01.10.2026)
Telefon: 0221 – 872757
E-Mail:ingmar.wienen@ekir.de

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