Abschied
Liebe Menschen unserer Kirchengemeinde, ich habe mich entschieden, zu Ende August in den Ruhestand zu gehen. Es ist ein bisschen vorzeitig, allerdings sind es nur 14 Monate vor dem eigentlichen Ruhestand. Und das bedeutet, dass ich 65 Jahre alt bin, was jetzt auch nicht mehr taufrisch ist. Ich war dann 24 Jahre als Pastor in dieser Gemeinde. Und nicht nur ich, sondern auch diese Gemeinde hat sich in dieser Zeit sehr verändert. Vor 14 Jahren sind die bis dahin selbständigen Gemeinden Höhenberg-Vingst und Neubrück zu einer Gemeinde zusammengewachsen. Und was bis dahin von 3 Pfarrstellen versorgt wurde, mache ich als Pastor für die Gesamtgemeinde inzwischen alleine. Aber was schon die alten Griechen wussten, stimmt eben: Das Einzige, was immer gleich bleibt, ist, dass sich ständig alles ändert. Und da gehört so ein Gang in den Ruhestand eben auch dazu.
Ich bin immer gerne Gemeindepastor gewesen, ich wollte nie etwas anderes sein. Und ich bedanke mich sehr herzlich bei Ihnen allen, dass Sie mich, meinen Mann und seit bald 12 Jahren auch den Hund in Frieden zwischen sich haben leben lassen. Und es berührt mich wirklich, dass so viele von Ihnen mir Ihr Vertrauen geschenkt haben. Ich weiß, dass ich nicht alle Erwartungen erfüllt habe. Und ich weiß, dass ich auch Menschen enttäuscht habe. Wenn ich Menschen verletzt habe, tut es mir sehr leid und ich bitte dafür sehr um Entschuldigung. Für uns waren es gute Jahre hier, berufliches Arbeiten und menschliches Zusammenleben gingen Hand in Hand und wir haben nie das Gefühl gehabt, dass uns jemand vorschreiben will, wie wir zu leben haben. Diese Gemeinde wird damit jetzt nicht gleich zum Reich Gottes, das wäre zu schön, um wahr zu sein. Aber eben auch uns zu erlauben, so zu sein wie wir sind, ist eine Menge und macht diesen Ort zu einer christlichen Gemeinschaft, die weiter ist als viele andere Orte in dieser Welt.
Deshalb ist mir auch nicht bange um diese Gemeinde. Wie hat Wowereit als regierender Bürgermeister von Berlin mal gesagt: „Wir sind arm, aber sexy!“ So ähnlich stimmt das für unsere Kirchengemeinde. Es gibt bestimmt malerischere Orte und herausgeputztere Kirchengemeinden. Aber die geteilte Lebenslust und die Fähigkeit, andere so zu lassen, wie sie sind, die sind hier schon sehr ausgeprägt. „Alles, was Ihr tut, geschehe in Liebe!“ (1.Kor. 16,14), hat Paulus den Korinthern geschrieben. Und das war bei weitem keine Streber-Gemeinde, die immer alles richtig machte, wie wir aus den Korintherbriefen sehr genau wissen. Genau deshalb sind sie ein gutes Vorbild. Denn wenn wir alles, was wir tun, in Liebe tun, dann gehört dazu auch die Grundvoraussetzung, sich nach Streit auch wieder zu versöhnen. Und ohne diese Voraussetzung gibt es kein friedliches Zusammenleben, denn es gibt auch kein Zusammenleben ohne Streit. Und dann im richtigen Moment das Leben miteinander feiern.
Passen Sie aufeinander auf, bleiben Sie die Gemeinschaft, in der die unterschiedlichsten Menschen miteinander zu Hause sein können. Und machen Sie sich keine Gedanken, dass dafür einmal die Basis verloren gehen könnte, denn das wissen wir doch:
„Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1.Kor. 3,11)
Mit den besten Wünschen für Sie alle, Ihr Jörg Wolke.